Tag 33 – Porto nach Lissabon

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Eigentlich ist die Fahrt von Porto nach Lissabon kein Ding. Aber die Autobahn ist kostenpflichtig und für Motorradfahrer nicht wirklich attraktiv. Nach einem exzellenten Frühstück bin ich um 10:30 vollständig startklar. Der Bordcomputer zeigt im Schatten des Hotels lockere 20,5°C an. Nachdem mein TomTom Urban Rider durchgestartet hat, gebe ich die Adresse des Hotels ein, das ich noch am Vorabend via HRS gebucht habe. Es liegt direkt am Flughafen von Lissabon. Das ist zwar mit Sicherheit furchtbar laut, aber ich habe ja noch immer den Plan wenigstens ganz kurz die Azoren zu besuchen. Und von diesem Hotel könnte ich zu Fuß zum Flughafen gehen und das Hotel ist außerdem mit 55,- Euro die Nacht sehr preiswert und es scheint dort einen Innenhof und eine Garage zu geben, vielleicht kann ihr dort mein Motorrad unterstellen während ich auf den Azoren bin.

All das geht mir im Kopf herum während ich die Adresse des Hotels in mein TomTom eingebe. Als Option für die Routenführung wähle ich heute „Schnellste Route“ und schalte die Option „Mautstrecken vermeiden“ ein. Es geht los, das Gegurke in Porto geht mir schon nach wenigen Minuten auf die Nerven. Das Kopfsteinpflaster, die Schlaglöcher, das Gehupe und die Portugiesen die alle mit ihren Kleinwagen durch die Stadt heizen als gäbe es kein Morgen. Letztlich bin ich dankbar als ich dieses Gewusel endlich hinter mir habe. Solche Städte sind echt nicht mein Ding. Ich bin lieber allein auf einer Straße mit ordentlichem Asphalt irgendwo im Wald oder den Bergen unterwegs. Städtereisen sollen die Anderen machen. Klar, hier und dort mal schauen, das finde ich auch cool. Aber mit dem Motorrad durch Porto, das hat mir keinen Spaß gemacht, das war echter Stress.

Das TomTom bittet mich schon kurz nach dem Stadtrand von Porto die Autobahn zu verlassen, sicher kommt da gleich die nächste Mautstation. Ab jetzt geht es über die Landstraße und das zusammen mit tausenden langsamer LKW die sich wohl auch die Mautgebühren sparen wollen. Eine schier endlose Karawane schleicht vor mir her, das ist es auch nicht. Immer wenn man kurz davor ist komplett wahnsinnig zu werden gibt es ein paar hundert Meter lang einen Überholstreifen. Nur schnallen dies viele Autofahrer nicht, vielleicht sind sie auch schon eingeschlafen. Statt kräftig auf das Gaspedal zu treten gurken sie mit 73 km/h dort wo sie 90 fahren dürften auf der Überholspur dahin, es ist zum Mäuse melken.

Mein Bruder Florian hat mir via Facebook geschrieben, dass ich mir unbedingt noch die Stadt Coimbra anschauen soll. Als ich kurz vor Coimbra bin lichtet sich das Dickicht der LKWs und ich kann zum ersten Mal seit fast einer Stunde schneller als 74,8 km/h schnell fahren. Jetzt abbiegen und sich später hinten wieder hinten anstellen? Nein Nein Nein, das geht grad gar nicht. Gleiches denken einige junge Autofahrer wohl auch und gemeinsam beschleunigen wir unsere Fahrzeuge auf lockere 150 km/h, wie gut das tut und wie strafbar das ist… Aber niemand hat es gesehen und als wir nur zwei oder drei Kilometer später wieder im Stau stehen, haben wir wenigstens mal kurz frische Luft in den Ansaugkrümmern gehabt.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die endlos langen und Gott sei Dank einsamen Landstraßen in Spanien. Anfangs habe ich mir dort gewundert warum in regelmäßigen Abständen kleine rote Sonnenschirme aufgestellt waren unter denen eine oder auch zwei junge Frauen saßen und mit ihren iPhones Musik gehört haben. Zuerst dachte ich damals, dass dort eine Verkehrszählung läuft. Aus Deutschland kenn man so etwas zu Beginn der Ferien usw. Wahrscheinlich bin ich total begriffsstutzig, es hat mich einige Kilometer gekostet um zu verstehen, dass ich auf dem Auto-Strich unterwegs war und dass diese jungen Frauen nicht die Fahrzeuge sondern die Tage bis zu ihrer nächsten Periode gezählt haben.

Hier in Portugal ist es nun ganz genauso, nur haben die Frauen hier keine roten Sonnenschirme. Meist sitzen sie auf einfachen alten Schemeln aus Plastik oder haben sich eine Tonne umgestülpt und ein Kissen darauf gelegt. Gelegentlich geht vor mir ein Auto voll auf die Bremse und schlägt einen Haken an den Straßenrand. Meist hat der Fahrer etwas gesehen was mir erst viel später auffällt und meist hat es lange Beine, Netzstrümpfe, eine extrem kurze Hose und Schuhe mit richtig hohen Absätzen. Für mich ist es schön, denn ich sehe das meist von hinten und auch nur bis zur Hüfte, der Rest ist in der Regel im geöffneten Seitenfenster der Autos verschwunden.

Ungefähr 80 Kilometer vor Lissabon verlasse ich dieses Sündenpflaster und fahre ein wenig durch ein Naturschutzgebiet. Hier ist es jetzt landschaftlich sehr reizvoll und ich kann mich von der langen Meile mit ihrer schier endlosen Zahl an Tankstellen und billigen Restaurants erholen. Ich komme durch Wälder die ganz intensiv nach einer Mischung aus Nadelwald und Eukalyptus riechen, ich mag das sehr. Irgendwann muss ich einfach mal anhalten und ein paar Meter durch den Wald laufen.

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Es geht weiter und ich lande schließlich bei 30°C im der Peripherie von Lissabon. Vor mir fahren Busse, links und recht neben mir knattern kleine Mopeds und Motorroller. Von hinten drängelt ein völlig genervter übergewichtiger Familienvater der gerade von seinen drei halbwüchsigen Kindern besprochen wird die sich parallel miteinander um die letzte Dose Cola streiten. Es macht keinen Spaß, Städtereisen sind nicht mein Ding…

Rund 15 Kilometer vor meinem Ziel fahre ich seitlich an einer der riesigen Mautstationen vorbei und bin den Rest des Weges auf der Autobahn. Vielleicht hätte ich die Kröte mit den Gebühren schlucken sollen? So wäre ich locker zwei Stunden eher hier gewesen. Aber dann hätte ich auch keine langen Beine in Netzstrümpfen gesehen!

Mein Schuberth SRC System habe ich auch heute wieder eingeschaltet. So gibt mir die resolute Frauenstimme meines TomTom Rider die Abbiegeanweisungen durch, während ich versuche nicht von verbeulten Kleinwagen gerammt oder einem LKW überrollt zu werden. Als ich beim Hotel Residencial Terminus eintreffe, ist für mich die Welt wieder in Ordnung.

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Statt 80,- Euro kostet mein Zimmer nur 55,- Euro pro Nacht, das Frühstück ist inbegriffen. Es gibt ein echt schnelles WiFi in der Lobby und einmal mehr muss ich feststellen, dass Portugal das Land der schnellen Internet-Anschlüsse zu sein scheint.

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Als ich mein Zimmer mit der Nummer 08 betrete muss ich ein wenig grinsen. Alles ist sehr alt, aber noch funktionsfähig. Ein wenig fühle ich mich wie in einem Heimatmuseum.

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Gegen 18h mache ich mich auf den Weg um etwas zu Essen zu finden. Ein paar Querstraßen weiter finde ich eine Pizzeria die einen ordentlichen Eindruck macht. Ich kann draußen sitzen und dem schier unglaublichen Krach in dieser Stadt lauschen. Immer wieder knattern Harleys vorbei, junge Typen geben ihrem Quad die Sporen oder lassen den Drehzahlmesser ihrer GSX-R auf 15h hochschnellen. Während ich mir die Gebäude anschaue denke ich nur, dass ich in solchen Gebäuden niemals leben möchte.

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Bei einem frisch gezapften Bier kommt langsam der Appetit und als dann meine Pizza auf dem Tisch steht bin ich wieder im Gleichgewicht.

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Dem Ruf meiner Leser mich landestypisch zu ernähren folge ich heute mehr als bereitwillig. Denn was aussieht wie eine Pizza Prossciutto ist eine Pizza Galandao, mit Oliven, Kochschinken und Bacon. Sie schmeckt ein wenig wie die Pizzen die wir früher selbst gebacken haben. Es ist nicht schlecht, aber auch nicht so wie in Italien. Aber es soll ja auch landestypisch sein.

Zurück im Hotel mache ich mir Gedanken wie die nächsten Tage aussehen könnten. Am nächsten Tag könnte ich mich mit Motorrad und Fotoapparat in die Innenstadt von Lissabon wagen. Meine Fähre nach Teneriffa geht am 15. August. Heute ist Samstag der 7. August, ich habe also noch eine Menge Zeit. Die könnte ich im mörderischen Verkehr von Lissabon zubringen, aber ich könnte auch etwas cooles machen. Wie wäre es wenn der Flug zu den Azoren ,der mir schon so lange im Kopf herumspukt, doch noch klappt?

Mit dem Notebook auf den Knien sitze ich eine Weile gegenüber der großen Treppe des Hotels und schaue welche Flüge es nach Ponta Delgada noch gibt. Es fliegen etliche Gesellschaften dorthin, zu sehr unterschiedlichen Zeiten und Preisen. Die Fluggesellschaft Ryanair fliegt täglich zu den Azoren zu Preisen zwischen 130 und 250 Euro je Strecke. Ok, diese Webseite lasse ich mal geöffnet. Nun schauen wir ob es noch einen Mietwagen gibt. Mist, alles ausgebucht. Letztlich lande ich bei www.Billiger-Mietwagen.de und dort scheint es noch einen einzigen Anbieter zu geben der Autos hat. Diese Webseite lasse ich auch mal geöffnet. Nun ein Hotel. Warum lange suchen, ich schaue einfach bei www.HRS.com vorbei und finde noch zwei Hotels die bei HRS Zimmer zu Preisen unter 100 Euro anbieten.

Eine Weile später habe ich einen Flug gebucht, eine Hoffnung auf einen Mietwagen und eine HRS-Hotelbuchungsbestätigung im Posteingang. Alles was ich brauche speichere ich auf meinem Mac als PDF-Datei und leite es an das Hotel weiter. Der Mitarbeiter an der Rezeption druckt mir alles aus und so bin ich eigentlich startklar. Mein Motorrad kann ich in der Garage abstellen, während ich die Azoren erkunde. Sobald ich zurück bin, kann ich hier noch eine Nacht verbringen und dann nach Huelva durchstarten um die Fähre nach Teneriffa zu nehmen.

Ich bin glücklich, doch dann fällt mir auf, dass mein Hinflug nicht wie geplant morgens um 10:10 geht sondern am Sonntagabend um 21:45 und ich um 23:10 in Ponta Delgada lande. Hui, das hatte ich eigentlich anders gesehen. Schnell öffne ich noch einmal die Webseite von Ryanair. Und siehe da, ich habe mich verguckt. Der Flug um 10:10 ist ausgebucht. Er wird aber dennoch so elegant angezeigt, dass man glauben könnte man fliegt am Morgen. Shit Shit Shit, aber es ist gebucht, etwas anderes gibt es nicht mehr und es wird schon irgendwie gehen.

Hier habe ich noch die Google-Streetview Ansicht des Hotels und den Lageplan. Man kann wirklich ganz bequem zum Flughafen laufen.

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Ein Kommentar zu “Tag 33 – Porto nach Lissabon

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