Tag 90 – Es ist Kalima

Bereits am Tag zuvor hatte es sich mit einem nichtssagenden Sonnenuntergang angekündigt, es ist wieder einmal Kalima. Wer es nicht kennt, kann sich darunter eine drückend schwüle Wetterlage vorstellen. Die Ursache sind Stürme über der Sahara die feinen Sand mehrere tausende Meter hoch in die Atmosphäre aufwirbeln. In Kombination mit Wind aus östlicher Richtung kommt dieses miese Zeug in zusammen mit viel heißer Luft auf die Kanaren herüber geweht. Warum muss ich dabei Spontan an PEGIDA denken? Viel heiße Luft die im Osten aufgewirbelt wird und nach Westen zieht….

Wer in Bayern lebt kennt den Fön, das ist ganz ähnlich. Bei Kalima sind Landschaftsfotografien kaum möglich und eigentlich kann man es nur noch am Pool mit einem kalten Getränk ertragen. Bei diesem Wetter ein eine Motorradkombi anziehen, das ist nahezu mörderisch.

So sitze ich auch lange beim Frühstück und schaue dem Gärtner zu wie er mit allerlei Gerät und einer STILechten Motorsäge eine der großen Palmen „putzt“. Später liege ich am Pool und versuche die Langeweile totzuschlagen.

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Auf meinem HTC ONE M8 habe ich noch einige Fotos des Vortages. An diesem Tag war es schon ähnlich heiß und die Luft bereits sehr trüb. In der Hoffnung, dass endlich der passende Ölfilter für meine BMW K1200r Sport angeliefert worden sein könnte, hatte ich mich gegen Mittag auf den Weg zur Werkstatt von Dennis gemacht. Den Weg kenne ich inzwischen sehr gut und als ich in Los Realejos ankomme ist Dennis sogar in seiner großen Halle unterwegs. Aber er hat schlechte Nachrichten, der passende Ölfilter ist noch immer nicht eingetroffen. Für mich ist es eine neue Erkenntnis. Sollte ich je wieder eine ähnlich weite Reise unternehmen, ich werde einen Ölfilter und vielleicht einen Satz Bremsbeläge und ggfs. auch einen Luftfilter dabeihaben. Diese einfachen Ersatzteile hier auf den Kanaren zu beschaffen ist nämlich nicht ganz einfach. Das Problem ist, dass meine K1200 hier völlig untypisch ist.

Wenn man hier eine BMW sieht, dann ist es entweder ein Boxer wie die R1200 GS oder eine kleine F800 in den verschiedenen Varianten. Einen voll fetten Reihenvierzylinder, den gibt es hier nur in einigen japanischen Supersport-Motorrädern.

Dass in dieser Woche nicht einmal ein Ölwechsel möglich war, ist eine herbe Enttäuschung für mich. Vielleicht hätte ich es anders angehen und bereits vor der Abreise nach El Hierro intensiv nach einer Werkstatt suchen sollen. So hätten alle notwenigen Teile bestellt werden können und der Service-Termin hätte vollständig ausgeführt werden können. Nun wird nichts aber auch gar nichts gemacht und die letzte Wartung liegt schon mehr als 11.000 Kilometer zurück. Wahrscheinlich wird dieses sehr gute Motorrad das großzügig wegstecken. Dennoch ist mir nicht ganz wohl beim Gedanken, dass ich das Inspektionsintervall um 2.000 oder mehr Kilometer werde überziehen müssen, weil es auf den kleinen Inseln wie La Gomera oder El Hierro kaum geeignete Motorradwerkstätten gibt.

Weil ich ohnehin gerade in Los Realejos war, habe ich den Tag genutzt um noch einmal die schöne TF342 abzufahren und oben beim Mirador eine kleine Pause einzulegen. Die Aussicht auf das Tal von La Orotava und Puerto de la Cruz ist traumhaft schön.

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Direkt am Mirador steht eine Bronzeskulptur die bereits in den 60er Jahren angefertigt wurde. Sie zeigt einen der letzten Anführer der Guanchen, der Ureinwohner Teneriffas. Um ihn ranken sich viele Sagen. Einerseits wird überliefert, er habe seine Landsleute an die Spanier verraten weil ihm lauter tolle Dinge versprochen, diese aber nicht eingehalten wurden. Eine andere Überlieferung besagt, dass er bis zuletzt gegen die Spanier gekämpft und sich letztlich von einer hohen Klippe gestürzt hat um der Sklaverei zu entgehen.

In der Geschichte der Kanaren spielt dieses unselige Thema leider eine viel größere Rolle als ich dies bislang gedacht habe. Nach der Eroberung der Inseln vor mehr als 500 Jahren wurden viele Ureinwohner umgesiedelt und als Sklaven ans spanische Festland gebracht um Aufstände zu verhindern. Erst im Jahr 1975 begann nach dem Tode des Diktators Francisco Franco eine Gleichstellung und vorsichtige Demokratisierung unter König Juan Carlos. Seit 1982 haben die Kanaren einen besonderen Autonomiestatus. Heute muss sich niemand mehr vor Sklaverei fürchten und von hohen Klippen springen. Wenn es dennoch jemand macht, dann hat er meist einen Gleitschirm auf dem Rücken und versucht einem langweiligen Alltag zu entfliehen.

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Nur einige wenige Kilometer weiter in Richtung Westen kreuzt die TF342 den oberen Teil des Barranco Ruiz. Dies ist ein großes Naturschutzgebiet, wild und schwer zugänglich. Aber es gibt einen gut ausgebauten Wanderweg und dieser endet hoch oben bei der TF342 an einem kleinen Aussichtspunkt.

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Meine Tour ging noch etwas weiter. Die Fina San Juan habe ich links liegen gelassen und bin mit meinem Motorrad die etwas abenteuerliche Straße zum Aussichtspunkt Mazape hinaufgefahren. Dieser Aussichtspunkt liegt an der westlichen Flanke des Barranco Ruiz auf etwa halber Höhe. Wer nach den vielen Höhenmetern noch gut zu Fuß ist, kann von hier aus den Aufstieg zur TF342 wagen. Nichts für mich und bei Kalima schon gar nicht…

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Also ging es am frühen Nachmittag zurück zur Finca San Juan. Auch an diesem Tag habe ich einige Zeit am Pool in der Sonne gelegen und mich am Abend über Melanies Kochkünste gefreut. Zum Abendessen gab es Schweine-Filets in einer Pfeffersauce, dazu Salat und Country-Potatoes.

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Zum Nachtisch noch ein Eis und schon war ich wieder ein glücklicher Mensch. So geht das hier eigentlich jeden Tag und man kann sich daran gewöhnen. Um Gewicht zu verlieren ist das leider nicht geeignet. Da müsste man sich schon tagsüber einen der vielen hundert Wanderwege hinauf und wieder herunter quälen. Aber das ist derzeit auch nichts für mich. Ich bin jetzt 51 Jahre alt und muss mich nicht mehr auf einen Schönheitswettbewerb vorbereiten. Also genieße ich das Leben so gut es geht, wie lange ich mir das noch leisten kann ist leider ungewiss. Also zählt jeder Tag und wo könnte man kostbare Tage besser entspannt verbringen als auf den Kanaren?

Während Deutschland schon im Herbst abgekommen ist, werde ich am Montag den 5. Oktober um 14h von Los Christianos im Süden Teneriffas mit einer Fähre der Gesellschaft ARMAS nach La Gomera übersetzten. Diese Fähre ist schon etwas älter und benötigt für die 38 Kilometer lange Strecke etwa 60 Minuten. Die Schnellfähre des Konkurrenten Fred Olsen würde die gleiche Strecke in nur 40 Minuten schaffen.

Aber ich habe mich wegen der angenehmeren Abfahrtzeiten für ARMAS entschieden und die Tickets liegen schon fertig gedruckt bereit. Wie es auf La Gomera weitergeht, das gibt es dann bald hier zu lesen.

3 Kommentare zu “Tag 90 – Es ist Kalima

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  3. Udo

    Den Ausblick von Mirador mit der Boncefigur haben wir auch entdeckt.
    Ein grandioser Blick hat uns belohnt.
    Ich bin dann noch ein Stück über den verrosteten Fußgängerweg an der Brücke gegangen und mir gedacht ob das mal hält?
    Hat es wie man sieht.
    Der Blick über die Landschaft und das Meer ist hier besonders beeindruckend.
    Gruß Udo

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