Tag 13 – Downhill in Savognin und GoPro Totalverlust

Heute ist meine wunderbare noch fast neue GoPro 4 samt Touchdisplay, Housing, SanDisk 64GB Speicherkarte und Graufilter von mir gegangen. Was für ein trauriger Tag…

GoPro – Es tut mir leid…. (Castaway Parodie)

Dabei hatte alles so schön begonnen…

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Savognin-Map

Savognin liegt etwa 15 Autominuten von Tiefencastel entfernt. Während er Sommermonate hat man sich hier etwas sehr spezielles überlegt um die Skilifte besser auslasten zu können. Mit einer Art „Dreirad für Erwachsene“ kann man via Skilift den Berg hinauffahren und anschließend auf staubigen Wanderwege todesmutig wieder hinab rollen. Alles ohne Pedale oder irgendwelchen Antrieb, lediglich die Schwerkraft sorgt hier für Vortrieb, auf vielen steilen Passagen mitunter sogar gewaltig.

Das klingt so, als wäre es eine gewaltige Gaudi für Groß und Klein. So bin ich entsprechend aufgeregt, als ich am Samstag mit meinem Motorrad zu Patricia fahre. Gemeinsam fahren wir mit ihrem Auto nach Savognin zum „Active Cube“. Mein Freund Heinz ist auch schon dort und so können wir gemeinsam an einem künstlich angelegten See spazieren gehen. Ein witziges Detail, während der Skisaison wird bei diesem See das Wasser abgelassen, so dass er als Parkplatz genutzt werden kann. Das liegt jedoch noch in weiter Ferne und heute baden hier übermütige Kinder.

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Um 10:30 trifft dann auch mein zweiter Freund Heinz ein, er wohnt im Norden von Zürich und hat daher eine wirklich weite Anfahrt. Beim Active Cube müssen wir uns registrieren und unterschreiben, dass wir keine Ansprüche für den Fall eines Unfalles stellen usw. Danach bekommen wir Skihelme und ein dreirädriges Go Kart. Diese Geräte gibt es in unterschiedlichen Größen. Mir passt XL ziemlich gut und ich kann darin ganz vernünftig sitzen. Gemeinsam schieben wir die urigen Spaßgeräte zur Talstation des Skiliftes.

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Mein Freund Heinz hat sich mit einem 3D Drucker einen Filterhalter für seine GoPro angefertigt. Das ist wirklich cool!! Gleich daneben sieht man mein offenes GoPro Housing mit Sonnenblende, das ich via amazon.de in China eingebaut habe.

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Als Alternative zum Go Kart sind auch Fahrräder ohne Pedale usw. verfügbar.

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Die Dreiräder werden seitlich an den Lift gehängt und fahren gemeinsam mit uns den Berg hinauf. Eine „einfache Fahrt“ kostet 39,- CHF. Wer am Ende des Lifts auf einen zweiten Lift umsteigen und nochmals weiter den Berg hinauffahren möchte wird mit 52,- CHF zur Kasse gebeten.

Wir haben das Ticket zu jeweils 52,- CHF gebucht, daher dürfen wir oben am Berg umsteigen. Hier gibt es keinen offenen Sessellift mehr sondern eine kleine rote Kabine in der jeweils zwei Personen und zwei Dreiräder Platz finden.

Oben am Berg sortieren wir uns etwas, bitten einen Wanderer um ein Gruppenfoto und schon beginnt der große Spaß. Für einige besonders coole Video-Sequenzen haben Heinz und ich meine GoPro 3+ Black Edition mit einem Spanngurt ganz vorne an meinem Dreirad befestigt. Auf dem holprigen Weg nach unten ist es echt ein ganz großer Spaß. Immer wieder habe ich große Sorge meine teure kleine GoPro verlieren zu können, aber der Spanngurt hält ganz prächtig.

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Weil auf dem Dreirad wenig Platz ist, habe ich nur meine Fuji X-T1 und das XF 2.0/18mm (Entspricht 28mm im Kleinbildformat) dabei. Mit dieser Kamera kann ich meine Freunde filmen und „foten“, wie Patricia zu sagen pflegt, „in Serie natürlich“.

Wir machen viele kurze Fotostopps und überholen uns mal links und mal rechts, es ist ein ganz großer Spaß. Als wir unten angekommen sind würden wir am Liebsten alle erneut mit dem Lift den Berg hinauf fahren, aber es ist jetzt schon fast 13h und die Sonne brennt vom Himmel.

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Also fahren wir mit Patricias Auto zum örtlichen Supermarkt, kaufen ein paar Würstchen, Brot, Tomaten und Getränke. So bewaffnet geht es zurück zum See. Dort gibt es öffentlich Grillstellen, die heute stark frequentiert werden.

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Hier kann man einfach etwas zum Grillen mitbringen und es sich im Schatte unter den Bäumen gemütlich machen. Wem es zu warm wird, der kann mal schnell in den See springen, es ist ein tolles Plätzchen. Von Patricia erfahre ich allerdings, dass hier schon sehr bald ein nobles Hotel entstehen soll, womit dieses schöne Naherholungsgebiet für die Anwohner verloren gehen wird.

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Nach unserem lässigen Grillevent wollen wir alle zusammen hoch zur wunderbaren Mutteralm. Auf dem Weg kreuzen wird die Schlucht durch ganz tief unten der Albaula fließt. Diese Schlucht wird von zwei sehr speziellen historische Brücken überspannet. Bei Selbstmördern stehen sie auf der Skala ganz weit oben und ich hatte schon am Tag zuvor die Idee meine GoPro an einem Kletterseil zu befestigen uns sie im Modus 720p mit 240 Bildern pro Sekunde in die Schlucht stürzen zu lassen und so ein echtes „Suizid-Video“ in Superzeitlupe aufzunehmen. Also halten wir am Parkplatz neben der Brücke. Heinz packt seinen Quadcopter aus und lässt ihn über und in der Schlucht schweben. Bei den umstehenden Passanten ist das der Hit und besonders einige Kinder schauen mit geöffneten Mündern zu.

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Derweil entwirren der andere Heinz und ich das etwa 20 Meter lange Kletterseil. Patricia hat große sehr stabil wirkende Kabelbinder im Auto. Es ist die Größe die von der Polizei verwendet wird um Demonstranten die Hände zu fesseln. Diese Kabelbinder sind unglaublich strapazierfähig und gelten als „unkaputtbar“. Während ich meine GoPro 4 samt Touch-Display und teurer Sandisk 64GB Karte am Ende des Kletterseils mit einem Kabelbinder befestige überlege ich ob ein einziger Kabelbinder halten wird, oder ob ich besser einen zweiten oder gar dritten Kabelbinder verwenden sollte? Aber diese Dinger sind so stabil, daran könnte man einen Elefanten in die Schlucht abseilen. Als das Kabel entwirrt ist, sichern wir das eine Ende des Seils und lassen meine GoPro 4 (499,- Euro inklusive Display für 84,- Euro, Spezial-Graufilter 20,- Euro und Sandik Speicherkarte für 98,- Euro) etwa 2 Meter tief von der Brücke baumeln. Heinz und ich haben zusätzlich je eine Hand am Seil, eigentlich sollte nichts schief gehen. Den Rest des Seils habe ich in große Schlaufen gelegt und halte die in der linken Hand.

Heinz und ich schauen uns ein letztes Mal tief in die Augen und nach einem kurzen Count-Down lasse ich meine gut 700,- Euro teurere GoPro 4 mit einem stillen Schrei in den Abgrund stürzen. „Hey, das wird ein massiv cooles Video!!!“ schießt es mir durch den Kopf, als ich ein kurzes Rucken des Seils spüre. Dieser Sturz hat nur etwa 2 Sekunden gedauert, aber meine GoPro wird in dieser kurzen Zeit 480 einzelne Bilder aufgezeichnet haben! Ich bin richtig aufgeregt und hole das lange Kletterseil wieder ein.

Beim Aufwickeln des Seils sollte die teure kleine GoPro nicht gegen die Brücke schlagen. Um sie nicht zu beschädigen lehne ich mich etwas weiter über das Brückengeländer hinaus um so in die Tiefe blicken und die Kamera kontrolliert hinaufziehen zu können.

Das was ich dort unten sehe lässt mir allerdings den Atem stocken. Der weiße Kabelbinder hängt weit abgespreizt am Ende des Seils, meine teure GoPro 4 ist weg. Ich kann es kaum fassen, sie ist wirklich weg. Wie konnte das passieren??

Als das Seil komplett eingeholt ist sehen wir, dass der Kabelbinder direkt hinter dem eckigen Verschluss gebrochen ist. So ein Mist, entweder ist meine GoPro unten auf den Felsen zerschellt oder in den Fluss gefallen. Ganz gleich wie, ich werde sie nicht wiedersehen. Ich bin eine kurze Zeit lang sprachlos und beginne mich schließlich über mich selbst zu ärgern. Zwei oder gar drei Kabelbinder hätten dem Ruck bestimmt standgehalten, nun ist meine beste aller GoPro Kameras für immer von mir gegangen, was für ein Drama.

Hier habe ich ein Fotos von uns, das Heinz mit seinem Quadcopter geschossen hat. Nur einige Sekunden zuvor war meine schöne GoPro 4 in die ewigen Videojagdgründe eingegangen…

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Etwas gefrustet geht es kurz darauf den Berg zur Mutteralm hinauf. Mit unseren Kameras erkunden wir dieses außergewöhnliche Bergdorf und finden uns um 18h beim Restaurant ein. Der Ausblick ist überwältigend und wir finden auf der Panoramaterrasse ein schattiges Plätzchen. Eine Schweizer Spezialität ist das Käsefondue, allerdings eher in den Wintermonaten. Ich selbst habe noch nie ein echtes Schweizer Käsefondue gegessen und meine Freunde gönnen mir den Spaß. Eigentlich müsste man das Käsefondue vorbestellen, aber der Koch gibt sich einen Ruck und so können wir schon bald nach Lust und Laune schlemmen.

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Dieses Fondue schmeckt lecker und ist ein großer Spaß. Gegen 20h fallen uns allen fast die Augen zu, typische Symptome einer Sauerstoffvergiftung. Den sicherlich großartigen Sonnenuntergang über den Bergen würden wir uns gern noch anschauen, aber Heinz & Heinz müssen noch nach Lufingen bzw. nach Dornbirn. Patricia hat in der Nacht nur wenig geschlafen, also machen wir uns auf den Rückweg.

Auf der Brücke verabschiede ich mich ein letztes Mal von meiner Kamera im Stile von Tom Hanks beim Drama „Cast Away“. In diesem Film geht ihm auf hoher See sein Volleyball verloren und er ruft ihm ein herzzerreißendes „Wiiiiillllsssssoooonnnnn, es tut mir Leid!!“ hinterher. Ich mach es heute ganz ähnlich und rufe vor laufender Kamera ein letztes „GooooooProoooooo, es tut mir Leid!!“ in die Schlucht.

GoPro – Es tut mir leid…. (Castaway Parodie)

Nachdem ich von meinem teuren treuen Begleiter Abschied genommen habe, verabschieden wir uns. Bis wir uns das nächste Mal sehen werden wird sicher wieder viel Zeit vergehen. Vielleicht habe ich dann eine GoPro 5 und einige wirklich stabile Kabelbinder dabei, schauen wir mal…

Daheim bei Patricia legen wir schnell meine Wäsche zusammen, die sie für mich gewaschen hat. Als ich im Hotel eintreffe ist es 22h und ich bin todmüde. Ohne nur ein einziges Wort zu schreiben geht es fast sofort ins Bett. Ok ok, nur fast sofort. Zuerst muss ich einfach sichten was ich mit der mir verbliebenen GoPro 3+ Black Edition bei unserem Down Hill Abenteuer aufgenommen und mit meiner Fuji X-T1 fotografiert habe.

Am Montag werde ich schauen wo ich hier in der Schweiz eine neue GoPro kaufen kann…

GoPro 3+ Timelapse – Muttenalm – Graubünden – 1080p – Full HD

8 Kommentare zu “Tag 13 – Downhill in Savognin und GoPro Totalverlust

  1. Anas

    Spontan fällt mir nur „Kondolenz“ ein.
    Die arme GoPro, der arme Ansgar. Viel zu schnell sind die voneinander getrennt worden.
    In den USA könntest du den Hersteller der Kabelbinder auf Schadenersatz und seelische Schmerzen verklagen, aber in der Schweiz?

    Einen schönen Tag hattest du trotzdem. Die Alpen bieten immer wieder ein herrliches Panorama.

  2. […] meiner Fuji X100 Fototour in der Schweiz getroffen. Seither sind wir in Kontakt geblieben und beim Down Hill Event in Savognin haben wir uns nach langer Zeit endlich […]

  3. […] Tag 13 – Downhill in Savognin und GoPro Totalverlust […]

  4. meisteryoda

    Ich kann deinen Verlust nachfühlen, Ansgar, speziell den Moment des aussetzenden Herzschlags…und der bohrende Gedanke, HÄTT ICH DOCH…aber du nimmst es sportlich, wie man an der Castaway-Parodie sieht…:)

  5. Especially

    Hallo Ansgar,

    ich habe jetzt alle Tage nachgelesen und einige deiner Videos angesehen, auch schon vor einiger Zeit, zwei Jahre meine ich so ungefähr, jene zur D800E….
    Ich finde es überaus schmerzhaft wie du diese GoPro 4 verloren hast und ich habe einen Vorschlag, wie wäre es, wenn du einen PayPal Account dafür machst, diesen auf deiner Homepage zu den 100 Tagen der Freiheit, also genauer die Mailadresse dazu postest und jeder wer möchte, der spendet einen oder mehrere Euros, niemandem schmerzt das und ich würde mich überaus freuen, wenn du diese Schmerzen über den Verlust der GoPro 4, dann letztlich damit therapieren kannst, dass du die Kosten für einen Ersatz durch Spenden für diesen Zweck abdecken kannst und vielleicht noch ein paar Euros für einen Ausflug zurück an den Absturzpunkt auch noch auftreibst. Als I-Tüpfelchen würde ich vorschlagen, fährst du dann, wenn das klappt, nochmals an diese Stelle, nimmst eine GoPro 3, sicherst sie gut gegen Abstürzen und machst doch noch das Video und stellst uns das dann hier zum Ansehen als YouTube-Video dann rein.
    Überlege es dir, wenn es diese Aktion geben wird, ich bin dabei und das sehr gerne.
    Weiterhin schöne Tage in Freiheit und Danke für deine Blogs.

    Und ja, ich rufe schon mal dazu auf, dass hier weitere Leser dich bezüglich meinem Vorschlag auffordern diesen Realität werden zu lassen. Jeder einen oder zwei Euros und es sollte doch klappen und Freude machen bereiten für alle.

    Liebe Grüße!

    • Du wirst lachen, aber darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich werde mal schauen was sich machen lässt wenn ich auf Teneriffa angekommen bin. Dann habe ich ein paar Tage Zeit und kann mir mal was überlegen. Gleich packe ich hier in Porto meine Sachen zusammen und fahre nach Lissabon. Dort habe ich für zunächst zwei Tage ein Zimmer gebucht. Da ich eigentlich gar nicht schlecht im Zeitplan liege könnte ich vielleicht sogar noch für 2-3 Tage auf die Azoren fliegen. Mal sehen ob es dort noch einen Mietwagen und ein Hotelzimmer gibt. Gestern sah es allerdings düster aus. Aber vielleicht war ich auch nur auf den falschen Webseiten unterwegs…

  6. especially

    Die Azoren waren eine tolle Idee, dein Bericht, die Fotos, ich will da auch einmal hin. 😉
    Ja, der Gedanke bezüglich Spendenaktion gefällt mir noch immer sehr, dein Blog ist toll, da sollte das doch echt klappen, ich wäre sehr enttäuscht, wenn nicht.
    Übrigens bei der Suche nach dem Tag zu diesem Verlust ist mir erst heute, jetzt, die 13 aufgefallen, Aberglaube oder auch nicht, ein auffälliger Zufall zumindest schon. 😉

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