Tag 113 – BMW Motorradservice auf Gran Canaria

In den letzten Tagen haben schwere Unwetter die Kanaren ordentlich durchgeschüttelt. Im Angesicht dieser Unwetter soll es heute am Montag den 26. Oktober nach Las Palmas gehen. Meine BMW K1200r Sport soll bei der Firma BMW Marmotor einen vollständigen Service erhalten. Einige Ersatzzeile haben wir im Gepäck, meine Freundin Sandra hat sie aus Deutschland mitgebracht. Während der letzten 14.000 Kilometer bin ich mit einem Satz Michelin Pilot Road 4 (Hinten: 190/55 ZR17) gefahren. Diese Reifen sind großartig, aber inzwischen an der Verschleißgrenze. Unterwegs waren die Straßen mitunter abenteuerlich schlecht und ich bin wirklich froh, dass ich es ohne Panne völlig problemlos bis auf die Kanaren geschafft habe. Allerdings zeigt meine BMW inzwischen doch erste „Ermüdungserscheinungen“. Der linke Heizgriff bleibt kalt, während man sich rechts fast die Finger verbrennt und das hochmoderne ESA-Fahrwerk funktioniert auch nicht mehr vollständig. Dieses Fahrwerk ermöglicht eine Einstellung der Federvorspannung des Fahrwerks über einen kleinen Elektromotor. Damit kann das Motorrad an den Betrieb mit einem Fahrer, zwei Fahrern und einem Fahrer mit Gepäck angepasst werden. Stellt man zwei Fahrer oder einen Fahrer mit Gepäck ein, so hebt sich das Heck merklich und der entgegenkommende Verkehr wird nicht vom Scheinwerferlicht geblendet. Zusätzlich kann man jeweils zwischen den Dämpferabstimmungen COMF, NORM und SPORT wählen. Insgesamt gibt es also 9 unterschiedliche Einstellungen für das ESA-Fahrwerk.

Bei meinem Motorrad kann ich aktuell nur noch zwischen COMF, NORM und SPORT wählen. Sobald ich mit Gepäck unterwegs bin, hängt das Motorrad hingen tief in der Federung und das Fahrerhalten ist etwas eingeschränkt. Ich habe die Hoffnung, dass die Mechaniker von Marmotor dieses Problem beheben können.

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Als wir am Morgen aufstehen ist uns nicht ganz klar wie spät es eigentlich ist. In der Nacht wurden die Uhren umgestellt. Gab es auf den Kanaren auch die Sommerzeit? Wir sind uns nicht sicher und zusätzliche Verwirrung stiften unsere Telefone, deren Uhrzeit sich um genau 60 Minuten unterscheidet. Klarheit bringt letztlich eine kurze Suche bei www.google.de – wie eigentlich immer… Mein Telefon zeigt die richtige Uhrzeit an, Sandras Telefon ist irgendwie anders eingestellt, zwar bezieht es auch die Uhrzeit vom Netzbetreiber aber das Handling von Sommer- und Winterzeit ist anders.

Als wir schließlich auf unseren Motorrädern auf der Autobahn sind, werfe ich einen Blick auf meine Armbanduhr, auf mein TomTom Rider und in den Bordcomputer, überall andere Uhrzeiten. Sicher sind die Uhren bei meinen Kameras wieder ganz anders eingestellt. Man kann da ganz schön durcheinander kommen. Die Werkstatt finden wir recht problemlos, allerdings bin ich eine Ausfahrt zu früh abgebogen und so müssen wir in einem Kreisverkehr etwas schummeln und eine durchgezogene weiße Linie großzügig übersehen. Bei Marmotor werden wir schon von Ana erwartetet. Gemeinsam gehen wir den deutschen Fahrzeugschein durch. In Spanien sehen diese Papiere anders aus. Aber letztlich bekommen wir alles zusammen und ich erhalte eine Kopie des Werkstattauftrages. Um 15:30 sollen wir wieder zurück sein, dann ist meine BMW fertig. Die neuen Reifen habe ich auch schon gesehen, wunderbar.

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Zu zweit geht es auf der kleinen Honda NC700X los. Ich fahre jetzt, meine Sandra sitzt auf dem Sozius. Es geht hinauf in die Berge. Die Straßen sind gut, aber es ist viel Verkehr und wir fahren meist kaum schneller als die erlaubten 40 km/h. Es geht von einer Ortschaft in die Nächste, dieser Teil der Insel ist bis hinauf in die Berge wirklich dicht besiedelt. Richtigen Spaß macht es nicht. Zwar sitze ich gut, aber Sandra hat wenig Platz und weil ich wegen des hohen bequemen Lenkers sehr aufrecht sitze, muss sie sich weit nach hinten lehnen und bekommt schon nach einer Stunde Rückenschmerzen. Oben in den Bergen wird es auch langsam frisch. Unten in Las Palmas hatten wir noch 28°C, hier sind es gefühlte 20°C. Genau kann ich es nicht sagen, denn die kleine Honda hat leider keinen Bordcomputer. Nach etwa einer Stunde machen wir kehrt und fahren in Richtung Telde zum Meer hinunter.

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Im Kanarenexpress hatte ich schon gelesen, dass am Vortag bei einem schweren Unwetter weite Teile der Strandpromenade bei Telde weggerissen wurden. Viele Häuser standen unter Wasser und eine Tiergarage deren Einfahrt dem Hang zugewandt ist, ist komplett mit Wasser und Schlamm vollgelaufen.

Als wir am Strand in Telde ankommen, hat eine Pizzeria schon wieder geöffnet. Hier wurde wohl noch in der Nacht in Windeseile aufgeräumt und wir können schon wieder draußen sitzen. Es ist jetzt 11:30 und der Pizzaofen ist noch kalt. So entschließen wir uns ein belegtes Baguette-Brötchen zu verspeisen. Sandra entscheidet sich für Käse mit Tomate, ich nehme Serano-Schinken mit Tomate.

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Die Sonne scheint jetzt warm vom Himmel, es sind bestimmt 30°C, wenn nicht noch mehr.  In meiner schwarzen Lederkombi ist mir wirklich warm, aber als Übertragungswagen vom Fernsehen eintreffen, will ich doch mal sehen was los ist. Eigentlich stehe ich gar nicht auf diese Art von Katastrophentourismus, aber so kann ich ein paar Fotos für meinen BLOG aufnehmen. Ein paar hundert Meter weiter unten am Strand wird das ganze Ausmaß der Zerstörungen sichtbar. Teile der Straße wurden unterspült, so dass sie einfach weggebrochen ist. Große Teile des Strandes sind von den Fluten ins Meer gespült worden. Ganze Betonmauern sind umgestürzt und liegen kopfüber in der Brandung. Das hatte ich so nicht erwartet und ich bin sehr erstaunt welche Kräfte das Wasser hier freigesetzt hat.

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Später machen wir uns auf den Weg zurück nach Las Palmas. Ich würde gern den kleinen Aussichtspunkt auf der Halbinsel im Nord-Osten der Hauptstadt besuchen, aber ohne Navi und ohne Karte finden wir die Zufahrtsstraße nicht. Letztlich landen wir im dichten Verkehrsgetümmel mitten in Las Palmas. Schön ist diese Stadt nicht und der Verkehr geht mir auf die Nerven. Die kleine Honda hat eine leichte Anfahrschwäche. Besonders zu zweit muss ich immer ordentlich am Gashahn drehen und die Kupplung etwas schleifen lassen. Die Kanarios heizen während dessen um uns herum, es wird gehupt und gedrängelt was das Zeug hält. Als wir schließlich beim großen Einkaufszentrum in der Nähe von BMW Marmotor eintreffen sind wir beide total genervt. Sandra sagt sofort nachdem sie den Helm abgenommen hat: „Also in diese Stadt musst Du mich nicht noch einmal bringen.“

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Wir sind ziemlich durchgeschwitzt und freuen uns im Einkaufszentrum über die sehr angenehm eingestellte Klimaanlage. Bei einem frisch gepressten Saft versuchen wir die Strapaze in der Innenstadt zu vergessen und warten bis es Zeit ist bei Marmotor nach meinem Motorrad zu schauen.

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Als wir gegen 15:30 dort einlaufen ist meine K1200 noch in Arbeit. Als ich einen Blick in die Werkstatt werfe, haben die Monteure gerade den Stoßdämpfer in der Hand. Das sieht gar nicht gut aus… Kurz drauf hat Ana uns erblickt und teilt mir mit, dass der linke Heizgriff defekt ist und bestellt werden muss. Wenn ich 96,20 Euro anzahle, kann sie ihn für Donnerstag bestellen. Ich beiße in den sauren Apfel und bezahle den Griff an der Kasse. Mit einem Cappuccino in der Hand schauen wir uns die Motorräder und Autos an und hoffen, dass ich meine BMW trotzdem heute noch mitnehmen kann.

Gegen 16h wird aber klar, dass es heute nichts mehr wird. Ana schickt uns auf der kleinen Honda wieder nach Hause. Morgen will sie mir eine E-Mail schreiben sobald mein Motorrad wieder fahrtüchtig ist.

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Das ganze Gegurke durch die Berge und die Zeit im Einkaufszentrum hätten wir uns also auch sparen können. Ich bin etwas frustriert, diesen Tag hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Als wir fast beim Hotel sind steht die Sonne schon tief und ich frage kurz bei meiner Sandra nach ob sie nicht auch Lust auf eine Pizza oder etwas ähnliches hat. Sie willigt ein und so nehme ich die Straße in Richtung Playa del Inglés. Dort angekommen finden wir schnell ein schönes Restaurant direkt am Strand. Uns gefällt es hier sehr gut, der Kellner ist auf Zack und das Essen schmeckt sehr gut. Das entschädigt für die Probleme die mein Motorrad nun doch bereitet.

Am Dienstag wird dieses Abenteuer weitergehen. Soviel vorweg: Der Stoßdämpfer ist hin, die Lieferzeit beträgt 4-6 Wochen und er soll 2.270,- Euro kosten – ohne Montage – versteht sich…

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