Tag 59 – Mein Leben nach dem Umfall

„Da fährt man Jahrzehnte lang unfallfrei Motorrad und rutscht schließlich auf Teneriffa in einer fiesen kleinen Baustelle in ein ungesichertes Loch in der Straße“. Von diesem Schock muss ich mich erst einmal erholen.

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In der Nacht habe ich fast gar nicht geschlafen, dieses kleine Missgeschick wurmt mich zu sehr. Am nächsten Morgen bin ich entsprechend müde und fühle mich wie ein alter Mann. Jede Bewegung tut weh, ich kann kaum noch laufen. Aber die Laune ist trotzdem gut, ich versuche es mit Humor zu nehmen, schließlich ist nichts weiter passiert, ich werde nur für ein paar Tage bei jedem Schritt daran erinnert werden, was es hier für hinterlistige kleine Baustellen geben kann. Und last but not least ist es eine gute Geschichte für diesen BLOG und meine Reisedokumentation die es bald als E-Book geben soll. Mal zu stürzen gehört zum Motorradfahren genauso dazu wie beim Radfahren, Skaten, Reiten und was man sonst noch alles machen kann. Es ist also nicht ungewöhnlich und man muss sich dafür nicht schämen.

Wer sich nie auf die Klappe legt, der hat sein Leben wahrscheinlich daheim auf dem Sofa mit dem Controller seiner Playstation verbracht…

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Das Frühstück mit Blick auf den Pico del Teide funktioniert als „Entschädigung“ ziemlich gut und ich beschließe heute den ganzen Tag auf der Finca San Juan zu verbringen. In meinem Zustand sollte ich heute nicht mit dem Motorrad fahren.

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Beim Frühstück kommt Finca-Besitzer Jo (geboren als „Joachim“) dazu und spricht mich auf mein blutiges Knie an. Ich erzähle ihm meine Geschichte, das erste Mal an diesem Tag. Weitere Male werden folgen, denn diese Geschichte ist gar nicht schlecht. Nach dem Frühstück drückt mir Jo eine Feile in die Hand, damit geht es zu meiner schönen BMW. Der (noch) unversehrte Kupplungshebel sieht so aus wie auf dem nächsten Foto. Sein Geschwisterchen am rechten Ende des Lenkers ist leider deutlich kürzer.

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Aber ich kann ihn problemlos abschrauben, mit der Feile die scharfen Kanten an der Bruchstelle entfernen und ihn dann umgekehrt wieder anschrauben. Das sieht zwar nicht schön aus, erfüllt aber seinen Zweck. Damit kann ich locker noch einmal 10.000 Kilometer zurücklegen. Wenn ich im nächsten Jahr wieder daheim in Deutschland bin, kann ich mir bei Wunderlich in Sinzig einen neuen Bremshebel kaufen, oder vielleicht einfach die Originale aus dem Schrank holen und wieder anbringen. Diese speziellen in weiten Bereichen verstellbaren Hebel habe ich hauptsächlich gekauft und montiert, damit meine Sandra es etwas leichter mit diesem Motorrad hat. Aber sie fährt ohnehin meist mit meiner weißen K1200r Sport, also könnte ich die originalen Hebel auch wieder montieren und die beiden teuren Wunderlich-Hebel für den „Fall der Fälle“ aufheben. Wer weiß ob ich sie nicht irgendwann an meiner weißen BMW brauchen kann…

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Nach dem Frühstück erstelle ich für meine Freundin Sandra ein kleines Video-Tutorial, um ihr die ersten Schritte mit iMovie zu erleichtern. Es ist heiß und ich habe die Fenster geschlossen, damit es keine lauten Windgeräusche gibt. Nach dem Video bin ich nass geschwitzt.

iMovie für Dummies – Tutorial für Einsteiger – HD 720p

Nach einer Abkühlung im Pool verbringe ich den Tag in weiten Teilen mit einigen Ibuprofen im Bauch auf dem Bett, halb wach und halb im Delirium. Gegen 17h rapple ich mich hoch und humple in Richtung Restaurant. Später soll es wieder Kaninchen nach Kanarischer Art geben, lecker! Als ich gerade in Bier bestellt habe kommt auch schon Kai dazu. Er ist heute erneut vom Süden der Insel zur Finca San Juan gefahren, um hier das Kaninchen zu kosten. Wir sitzen in der Sonne, ich bestaune sein Canon 1,2/85mm Objektiv und wir unterhalten uns lange über die Fotografie und das Leben auf dieser schönen Insel.

Das Kaninchen schmeckt wieder sehr gut und wir lassen den Tag bei einem großen Bier gemütlich ausklingen. Irgendwann sind wir ganz allein, die meisten Lampen sind ausgeschaltet, das Restaurant geschlossen und alle andere Gäste in den Betten verschwunden. Die Wolken, die uns die Sicht auf den Pico del Teide versperrt haben, sind abgezogen und gegen 22h haben wir einen famosen Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel.

Nun komme ich seit so vielen Jahren hierher und heute kann ich das allererste Mal die Milchstrasse mit bloßem Auge erkennen OHNE in die Canadas del Teide fahren zu müssen. Eine Weile sind wir wie berauscht von den vielen Sternen, als wir schließlich unsere Kameras startklar machen. Nach einigen Fotos vom Parkplatz aus gehen wir die paar Stufen auf das Dach des alten Herrenhauses hinauf. Dort ist die Sicht noch besser und es gibt weniger Lampen die uns hier blenden. Es entsteht ein Foto nach dem anderen, bis plötzlich der Mond aufgeht und die Show relativ schlagartig beendet. Als der Mond ganz deutlich zu sehen ist, überstrahlt er die gesamte Szenerie. Wir packen zusammen und verabschieden uns, es ist jetzt schon nach Mitternacht.

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Am Ende des Tages ist letztlich wieder alles gut wenngleich ich die Folgen meines kleinen „Umfalls“ bei jeder Bewegung deutlich zu spüren bekomme und das wird wohl auch noch für eine Weile so bleiben.

Meine Pläne einen Teil des Oktobers und vielleicht des Novembers auf Mallorca zu verbringen habe ich mir inzwischen aus de Kopf geschlagen. Ganz gleich wen ich auch frage, jeder winkt ab und sagt mir, im November sei es auf Mallorca regnerisch und kalt, in den Bergen läge Schnee und es wäre keine gute Idee dort Motorrad fahren zu wollen.

Statt dessen plane ich nun mir die Kanaren genauer und intensiver anzuschauen. Besonders El Hierro und La Gomera interessieren mich brennend. Im November oder Dezember könnte ich mein Motorrad hier auf Teneriffa unterstellen. Inzwischen habe ich mehrere vertrauenswürdige Adressen für Auto- oder auch Motorradwerkstätten, die auch gleich den fälligen nächsten Service-Termin durchführen könnten. Ich könnte eine Weile in Deutschland sein, vielleicht etwas neues Geld verdienen und im März zurückkommen und dann meine Reise über Spanien bis Barcelona und letztlich auch Mallorca und vielleicht auch Korsika und Sardinien fortsetzen. Schauen wir mal, es bleibt spannend 🙂

Ein Kommentar zu “Tag 59 – Mein Leben nach dem Umfall

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